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In Århus wird gelächelt - und dafür gibt es natürlich einen Grund.
Die Stadt ist im neuen dänischen Kulturkanon stark vertreten. Von dem Sänger Steffen Brandt und der Gruppe TV-2 über den Film "Kundskabens træ" (Der Baum der Erkenntnis) und die Århuser Universität bis zum Århuser Rathaus, das von Arne Jacobsen projektiert wurde, hat Århus definiert, was dänische Kultur ist. Von Fiktionen zu Fakten. Århus hat die rechten Wurzeln, den rechten Puls und das rechte Wissen für bahnbrechende und innovative Leistungen.
Erleben Sie den dänischen Kulturkanon in Århus und lassen Sie sich inspirieren - zu einem Lächeln und zu Innovationen!
DIE UNIVERSITÄT AARHUS, Århus 1937- Kay Fisker, C.F. Møller, P. Stegmann, C.Th. Sørensen
Die Universität Aarhus signalisiert mit ihrer Errichtung in den dreißiger Jahren bessere Zeiten für die Stadt und das ganze Land. Die moderne, unmittelbar antimonumentale Architektur repräsentiert eine organische Interpretation des offenen Campus mitten in der Stadt. Sie verdeutlicht gleichzeitig auf sehr markante Weise, wie schön und human sich eine umfassende Struktur in einem städtischen Kontext über mehr als 70 Jahre hinweg entwickeln lässt. Die Universitätsgebäude stehen rhythmisch verschoben und in passender Länge an einer Senke und sind dem Terrain angepasst, so dass die Senke selbst unbebaut bleiben kann. Alle Gebäude sind aus dem gleichen Material: Für Fassaden, Dächer und Verkleidungen wurden gelbe Ziegelsteine verwendet. Auf diese Weise wirken die Gebäude mit ihren einfachen Satteldächern ohne Überhang homogen, einfach und prismenhaft. Ganz oben an der Ringstraße steht das Hauptgebäude mit der Aula. Dieses Gebäude weist ein expressiveres Design auf und stellt damit einen Kontrast zu der nüchternen Prägung der Fakultätsgebäude dar. Die Århuser Universität ist gewissermaßen ein Symbol der Wertschätzung für das Baumaterial Ziegelstein. Der Ziegelstein webt in einem Dialog mit der Landschaft die Gebäude ineinander und schafft eine gedämpfte Monumentalität mit einem regionalen dänischen Charakter. Am deutlichsten wird dies bei dem Gebäude mit der Aula, dessen Giebel über der Senke thront. Hier vereint ein Amphitheater-Terrassenring die Landschaft in einem Kontrast zu dem mit Ziegeln verkleideten Innenhof der Aula, von dem aus sich der Einheitsgedanke der gesamten Universität offenbart. Diese einzigartige Integration von Landschaft und Gebäuden wird durch die Eichen im Park, durch welche Topographie und Landschaft markiert werden, noch verstärkt. Im Laufe der Zeit entsteht eine großartige Landschaft von nahezu pastoraler Prägung - klassisch und regional zur gleichen Zeit.
Quelle: Kulturkanon/dänisches Kulturministerium
ÅRHUSER RATHAUS, 1937-42 Arne Jacobsen (1902-1971) und Erik Møller (1898-1988)
Das Århuser Rathaus ist ein inspirierendes Beispiel für den frühen Funktionalismus, ergänzt durch eine besondere nordische Sensibilität. Das Gebäude ist strategisch platziert, so dass es eine Straßenfassade nach der Stadt hin bildet und dadurch den größten Teil des alten Friedhofs bewahrt, der in die Landschaftsgestaltung aber einbezogen wird. Das Rathaus ist in drei verschobene, sich überlappende und verschiedene Funktionsabschnitte definierende Blöcke aufgeteilt. In Richtung Stadt weist das repräsentative Vorgebäude mit Vorhalle und Rathaussaal, der sich nach dem Park und der Lindenallee des Friedhofes hin öffnet. Der Büroflügel schiebt sich in die Vorhalle hinein, mit einem panoptischen Zentralkorridor, der rationell und systematisch die erforderlichen Büroflächen zur Verfügung stellt. Außerdem gehört ein niedrigeres Gebäude mit einer Geschäftsstelle dazu. Dieses Gebäude hebt sich mit seinem gewölbten Dach und seiner exponierten Betonkonstruktion etwas von seiner Umgebung ab. Das Århuser Rathaus ist ein freundliches, humanistisches Gebäude, das bei seiner Errichtung allerdings für zu modern, demokratisch und antimonumental galt. Aus diesem Grund wurden verschiedene Änderungen vorgenommen. So wurden u.a. der Turm und die Marmorverkleidung hinzugefügt. Die großen Qualitäten des Rathauses zeigen sich vor allem im Zusammenwirken der inneren offenen Räume, welche die natürliche Umgebung integrieren und sich für die raffinierten Details des Interieurs öffnen. Auf allen Niveaus wurde den Details großes Augenmerk geschenkt, und die gründliche Bearbeitung der edlen Materialien stellt einen Kontrast zu der kühlen und nüchternen Monumentalität der Fassaden dar. Heute ist das Århuser Rathaus ein schöner patinierter Gebäudekomplex, der nicht nur zu den sinnlichsten Gebäuden Dänemarks gehört, sondern der ein Hauptwerk darstellt, das in Dänemark den Übergang zu einer eher regionalen Interpretation der modernistischen Architektur symbolisiert.
Quelle: Kulturkanon/dänisches Kulturministerium
DER BAUM DER ERKENNTNIS, 1981 Niels Malmros (geb. 1944)
Die problematische Zeit der Pubertät ist in dänischen Filmen schon oft beschrieben worden, aber noch nie so treffend wie in Niels Malmros' Film "Baum der Erkenntnis", einem Film, der mit Recht als das Hauptwerk des Regisseurs gilt. Andere Filme mit diesem Thema werden an Malmros' Film gemessen und verblassen in diesem Vergleich. Der Film war der Höhepunkt einer Trilogie von Niels Malmros, die ihren Ausgangspunkt in den Kindheitserinnerungen des Regisseurs aus den 1950er Jahren in Århus hatte. "Kundskabens træ" war nach "Lars Ole, 5. c" (1973) und "Drenge" (Jungen) (1977) der dritte Film dieser Trilogie. Die Handlung spielt in der Zeit von 1958 bis 1960, doch der Film ist viel mehr als nur ein Zeitdokument, denn die von Malmros mit scharfem Blick beschriebenen psychologischen Mechanismen werden ihre Relevanz leider nie verlieren. Der Film ist ein Gruppenporträt einer 7. Klasse der Århuser Kathedralschule. Im Mittelpunkt steht Elin, die etwas reifer ist als ihre Klassenkameradinnen, was sie bei den Jungen besonders beliebt macht. Als sie jedoch einen der Jungen abweist, wendet sich die ganze Klasse gegen sie, und auf seine eigene Weise repräsentiert dieser Film eine eiskalte, unangenehme Schilderung Dänemarks en miniature. Die Umgebung, der Dialekt und das Zeitbild sind sehr dänisch, doch das noch nie so treffend in einem Kinder-Univers geschilderte Drama ist universell. Malmros erzählt diskret. Alle kennen die eingefangenen Blicke, Bewegungen und Situationen. Die geschilderten Charaktere gibt es in allen Schulklassen. Dazu gehören die Kleinbürgerlichen, die Wilden, die Anständigen und jene, die geärgert werden. Doch alle können sich entfalten - zu kleinen Menschen aus Fleisch und Blut, die sich im Zuge der Filmhandlung entwickeln. Die Filmaufnahmen dauerten zwei Jahre, in denen sich die Kinder physisch und psychisch veränderten. Malmros hat seine Vorliebe für die französische neue Welle und besonders für François Truffaut nie verborgen, und obwohl dies in den früheren, weniger straff komponierten Filmen, deutlicher war, so hat er die jungen nicht routinierten Schauspieler fest im Griff und seine Fähigkeit, sie zu emotionellem Auftreten zu bewegen, kann sich mit der seiner großen Vorbilder messen.
Quelle: Kulturkanon/dänisches Kulturministerium
SUPERTANKER, 1980 Kliche (1977-1983)
Es wirkte wie ein Happening, eine klare Provokation, als die Århuser Rockgruppe "Kliché" ein neues Jahrzehnt einläutete mit einer Platte, auf der u.a. Gedichte Mao Zedongs vertont waren. Diese wurden in einer Weise vorgetragen, dass der Zuhörer im Unklaren darüber gelassen wurde, ob die Interpreten seriös hinter dem Inhalt standen oder ob sie sich darüber lustig machten. Diese Unsicherheit hatte ihre Ursache darin, dass die tonangebenden dänischen Rocksänger der 1970er Jahre so politisiert auftraten, dass es schwierig war, die Poesie hinter den Parolen herauszuhören. Der Supertanker, den "Kliché" zu wenden hatte, war also derart mit Klischees belastet, dass die einzige Möglichkeit, sich der Wahrheit zu nähern, darin bestand, die buchstäbliche Bedeutung der Wörter wieder zu entdecken. Deshalb das Nüchterne und Nackte. Bei "Supertanker" handelt es sich um politischen Rock, gereinigt und wieder erstanden - voller Verfremdung und Verlassenheit sowie mit einem utopischen Glauben an das, was der Zukunft ähnelte, verkörpert durch die ausdrucksvolle Stimme des Sängers Lars H.U.G., die einen Balanceakt zwischen Bodenständigkeit und Fernweh symbolisiert. Laute, die einer Farfissa-Orgel entstammen könnten, durchlaufen in mechanischer Konsequenz stark vereinfachte melodische Muster, klinisch gesäubert von ästhetisierenden Effekten, so dass der Charakter in sekundenschnellen Stößen gewechselt werden kann und traditionelle Echos von den Beach Boys sowie einer überwinterten Musik von Alrunde Rod und den Gnags ähnelnde Klänge einbezogen werden. Außerdem ist stets die Öffnung gegenüber dem zeitgenössischen britischen Rock mit David Bowie als Vorbild zu spüren. Hier ist die Rede von Minimalismus, bevor dieser zum Modebegriff wurde. Es geht um eine Platte ohne Lösungsschlüssel, eine Platte, die auf den dänischen Hitlisten der Ewigkeit gelandet ist. So paradoxal ist gute Popmusik, ewige Kunst.
Quelle: Kulturkanon/dänisches Kulturministerium
BEINAHE GLÜCKLICH, 1988 TV-2 (gegründet 1980/81)
Die dänischsprachige Pop- und Rockmusik der 1980er Jahre war von sehr unterschiedlicher Qualität, die Gruppe TV-2 nahm nach einem etwas zögerlichen Start jedoch bald einen Platz unter den besten Musikern dieses Genres ein. Insgesamt war die Gruppe der Inbegriff eines intelligenten Pop, wie er für die 1980er Jahre typisch war - mit maschinellen Beats, ins Ohr gehenden Melodien und den mundgerechten Texten des Sängers Steffen Brandt, der mit einem ironischen Doppelaxel sowohl das Seelenleben der Dänen mit allen seinen Seiten als auch all das aufspießte, was er einmal "das wirkliche Leben" genannt hatte. Mit "Beinahe glücklich" aus dem Jahre 1988 verabschiedete sich die Gruppe im Geiste von den 80er Jahren mit einem Album, das klar den Eindruck erweckte, dass in das sonst so gut geölte TV-2-Getriebe Sand gelangt war - ein Zeichen von Desperation und Lebensüberdruss. Vielleicht erreichte die Gruppe genau deshalb diesen künstlerischen Höhepunkt, der beinahe alles zu einer Einheit verschmelzen ließ. Das Ganze war zwar vielleicht nicht ganz so verwegen und faszinierend wie bei den beiden Vorgängern "Pop" und "Nutidens unge" (Die Jugend von heute), aber es war dafür raffiniert, selbstsicher und zutiefst kompetent, wenn man an Komposition und Interpretation, Arrangement und Produktion denkt. Was den Text betrifft, so wurde großer Wert auf Ironie gelegt, aber auch eine angemessene Portion Nachdenklichkeit und Verwunderung war spürbar, Verwunderung über den Sinn des Lebens, wie dieser betrachtet wurde: einmal als existierend ein anderes Mal als nicht existierend. Dies verdeutlichte die Spaltung von Glück und Gleichgültigkeit. Genauso wie auf dem Cover des Albums: Steffen Brandt in schwarzer Kleidung steht auf einem dänischen Kornfeld und hält seinen kleinen Sohn an der Hand. Der Junge schaut den Fotografen neugierig an. Brandt steht mit dem Rücken zum Fotografen und hält die andere Hand an sein Gesicht und reflektiert hilflos über das Leben - in einem Moment, da er es doch leben sollte. Nicht ohne Grund hieß eines der Lieder auch "Kys det nu" (det satans liv)" (Küss es doch (das verdammte Leben)). Mehr als beinahe glücklich wird man nie.
Quelle: Kulturkanon/dänisches Kulturministerium
GO' SØNDA' MORN', 1980 Anne Linnet (geb. 1953)
Zu einem Zeitpunkt, da Musik für Kinder entweder ein Echo der alles umfassenden Trommelmusik, ein Nachklang der klassischen Kinderlieder oder von Discountpopmusik war, tauchte Anne Linnet mit ihrem Album "Go' Sønda' Morn'" auf, lange bevor sie mit "Barndommens Gade" (Die Straße der Kindheit) die Bestsellerlisten erstürmte. Die Platte bietet Musik für Kinder, Musik, die auch Erwachsenen gefällt, weil die Lieder Erinnerungen an eine Kindheit wachrufen, die wir alle gern gehabt hätten. Die Lieder wirken aber dennoch nicht sentimental oder wirklichkeitsfremd. Sie sind mundgerecht, melodisch, voller Liebreiz und ansteckender Kraft. Anne Linnet hatte gerade ihre Band "Shit & Chanel" aufgelöst, hatte im gleichen Jahr die von New York inspirierte LP "You're Crazy" herausgebracht, hatte ebenfalls in jenem Jahr ihre Partiturmusik zum Århuser NUMUS-Festival uraufgeführt und arbeitete an ihrem nächsten Projekt, der Anne-Linnet-Band. Und dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - handelt es sich bei "Go' Sønda' Morn'" um überlegene, swingende Musik, von einer Musikpädagogin - jedoch ohne erhobenen Zeigefinger - komponiert. Hier kommt die Freude am Spielen zum Ausdruck mit einem Stil, der zwischen Carol Kings Singer-Songwriter-Tradition und der Musik des dänischen Komponisten Bernhard Christensen liegt. Lieder wie "Sigurd" (gesungen von Anne Linnets Tochter Eva), "Bedst som vi leger" (Als wir spielten) und "Humørsang" (Humorlied) gehören seit langem schon zum festen Repertoire eines jeden dänischen Kindergartens. Die Atmosphäre erhält einen besonders intimen Charakter durch die Tatsache, dass Anne Linnet und ihr damaliger Ehemann, Holger Laumann, die Platte zu Hause in der Tjørne Allé im Århuser Stadtteil Åbyhøj aufgenommen haben.
Anne Linnet ist außerdem auf der Evergreen-Liste vertreten mit der Band "Shit & Chanel" und dem Lied "Du er så smuk og dejlig" (Du bist so schön und wunderbar). Auf der Liste findet sich auch Peter AG und Gnags mit dem Lied "Under Bøgen" (Unter der Buche).
"Smuk og dejlig" (Evergreens) Anne Linnet/Anne Linnet - von dem Album "Shit & Chanel", 1975, Interpretation: "Shit & Chanel"
"Under Bøgen" (Evergreens) Peter A.G. Nielsen/Gnags - von dem Album "Er du hjemme i aften" (Bist du heute Abend zu Hause), 1977, Interpretation: Gnags
Darüber hinaus ist Århus in der Kategorie Lyrikanthologie vertreten durch Thorkild Bjørnvig mit "Anubis"
"Anubis" von Thorkild Bjørnvig (Lyrikanthologie) Thorkild Bjørnvig (1918-2004): "Anubis" von Anubis, 1955
Quelle: Kulturkanon/dänisches Kulturministerium
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